Beregnung und Befeuchtung

Feucht- und Tropenterrarien brauchen Wasser. Teilweise sogar sehr viel davon, was bei größeren Terrarienanlagen schnell zu einer zeitintensiven Arbeit werden kann, sollten Sie mit Drucksprühern händisch für die nötige Feuchtigkeit sorgen wollen. Eine wesentlich komfortablere und auch in Ihrer Abwesenheit aktive Lösung ist eine Beregnungsanlage, die über eine Zeitschaltuhr oder, wie in meinem Fall, über die Siemens LOGO! gesteuert wird. Die Grenzen des technisch möglichen liegen auch hier lediglich in der Größe der Zahl auf Ihrem Bankkonto. Eine einfache Beregnungsanlage lässt sich bereits für kleines Geld installieren und passend dimensionieren.
Wie auch im Terrarienbau benötigt es für eine vernünftige Beregnung ein paar Überlegungen hinsichtlich des Düseneinsatzes. Welche Durchflussmenge und Position für eine Düse optimal ist, hängt maßgeblich von Terrariengröße, Bepflanzung, der Temperatur sowie dem allgemeinen Wasserbedarf ab. Die gängigen blauen Beregnungsdüsen der Firma Tefen sind in vielen Terrarien verbaut und bewährt – und oft ausreichend. Ein Patentrezept für die Gestaltung einer Beregnungsanlage gibt es aber nicht, daher heißt es hier wie so oft „Versuch macht klug“. Dies gilt insbesondere für die Positionierung der Düsen wie auch für die Dauer der Beregnungsphasen.

Im Internet finden sich viele Händler, die fertige Sets anbieten. Es lässt sich aber auch vieles selbst zusammenstellen. Die gängige Praxis ist es, mittels Steckverbindern aus dem Pneumatikbereich und Polyurethanschläuchen eine Verbindung zwischen Pumpe und Beregnungsdüsen herzustellen. Entsprechendes Material gibt es günstig auf eBay zu kaufen. Ein gewisser Materialpool um sich neue Lösungen zu erstellen ist dabei im Übrigen immer hilfreich. Das allgemeine vorgehen, wie ich meine Terrarien beregne, folgt nachfolgendem Schema, welches ich Ihnen kurz erläutern möchte.

Von Beregnungstank zur Pumpe, sowie von Pumpe zu allen Verteilerstationen wird ein 8mm Schlauch verlegt um die nötige Wassermenge ohne größere Druckverluste zu transportieren. Von dort aus verlaufen 6mm Schläuche zu den Beregnungsdüsen, welche entweder selbst einen 6mm Anschluss, oder einen 4mm Anschluss besitzen. Auf 4mm Schläuche verzichte ich komplett. Bei der Verlegung achte ich stets darauf, so wenig Engstellen wie möglich zu verursachen, sprich so wenig wie möglich von 8mm auf 6mm und anschließend wieder auf 8mm zu wechseln. Dies ist z.B. ein Grund, warum ich mittlerweile standardmäßig 6mm Durchführungen in den neuen Terrarien verbaue bzw. nachrüste, anstelle der oft genutzten Durchführungen mit M5 Innengewinde für die 4mm Stecknippel.
Ein weiterer Kniff den Druck in den Leitungen gleichmäßig zu halten ist es, keine Stichleitungen sondern Ringleitungen zu verlegen wo es nur möglich, aber auch sinnvoll ist. Wie dies aussieht, soll Ihnen nebenstehendes Schema verdeutlichen. Im Prinzip geht es darum, durch Querverbindungen auch in weitläufigeren Leitungen den Druck aufrecht zu erhalten ohne dass die letzten Düsen der Linie unterversorgt werden.

Pumptechnik und Steuerung

Für einzelne, größere Terrarien bzw. kleine Anlagen eignen sich Membranpumpen, wie sie nebenstehend abgebildet ist. Der Arbeitsdruck von sechs bis acht Bar ist absolut ausreichend für die gängigen Düsen und konstruktionsbedingt sind diese Pumpen kaum bis nicht zu hören. Von daher auch Wohn- und Schlafzimmer tauglich. Jedoch kommen sie recht schnell an ihre Grenzen, wenn eine gewisse Düsenanzahl oder Förderhöhe überschritten wird. Sowie müssen alle Schläuche durchgehend befestigt werden, da sie durch den wechselnden Druckaufbau und -fall anfangen zu schwingen. Weiter sind diese Pumpen nicht selbstansaugend.

Größere Anlagen benötigen entsprechend eine Pumpe, die den Arbeitsdruck konstant hält sowie die nötige Wassermenge liefern kann. Die Förderhöhe ist ebenfalls ein zu beachtender Punkt. Hier kommen vorwiegend sogenannte Kreiselpumpen in Frage, die den Beinamen „Kreischpumpen“ nicht ganz zu Unrecht tragen. Sehr empfehlen kann ich Pumpen der Firma Pedrollo aus Italien. Diese Pumpen sind sehr massiv und langlebig, nehmen keinen größeren Schaden wenn sie trocken laufen und liefern genügend Wasser, um, ausgehend von den blauen Tefen-Düsen, bis zu 100 Düsen und mehr betreiben zu können. Sollen diese Pumpen im Wohnbereich eingesetzt werden, empfehle ich Ihnen einen simplen Holzkasten zu bauen, in welchem die Pumpengeräusche mittels Schaustoff gedämpft werden. Lassen Sie sich von der Leistungsaufnahme von 300W und mehr nicht verunsichern. Bedenken Sie, dass die Pumpen nur wenige Sekunden bis Minuten am Tag laufen.

In Verbindung mit der Siemens LOGO! und in größeren Anlagen besteht natürlich auch die Möglichkeit Beregnungszeiten für jedes Terrarium individuell über Magnetventile zu steuern. So können Terrarien mit wenig Wasserbedarf wenige Sekunden beregnet werden, während Terrarien mit hohem Wasserbedarf entsprechend länger Wasser bekommen. Und dies ohne Zuhilfenahme zusätzlicher Pumpen. Gleichzeitig kann durch eine nacheinander gewählte Abfolge der Verteilerkreise vermieden werden, dass der Systemdruck zu stark sinkt. So sind Ihnen theoretisch keine Grenzen mehr gesetzt, was die Anzahl der zu betreibenden Beregnungsdüsen anbelangt. Entsprechende Magnetventile lassen sich bereits ab 15€ erwerben und simpel über die LOGO! und deren Erweiterungsmodule ansteuern. Das nebenstehende Schema soll auch diese Möglichkeit für Sie visualisieren. Hierbei wird in verschiedene Verteilerkreise aufgeteilt, um wie angesprochen unterschiedliche Beregnungszeiten realisieren zu können oder um den Systemdruck für die Beregnungsdüsen zu erhalten. Verteilkreise, die ohne Magnetventil am Verteilerblock angeschlossen sind, werden solange beregnet, bis die Pumpe abschaltet. Diese wären im Beispiel dann jene, die am meisten Wasser benötigen oder feine Nebeldüsen. Die Einleitung einer Regen- oder Trockenzeit wird so um einiges leichter und lässt sich automatisieren. Diese Realisierung ist natürlich mit einem gewissen Kostenmehraufwand verbunden. Für die Ansteuerung der Magnetventile ist eine Erweiterung der LOGO! von Nöten, ebenso bedarf es der Magnetventile. Die Vorteile sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Diese Systemform ist bei mir aktuell nur in Planung, sie Realisierung würde ich jedoch genau so durchführen.

Verbinder, Durchführungen, Schläuche und Zubehör

Wie bereits angesprochen halten diverse Händler aus dem Bereich Pneumatik genügend Material bereit, um sich eine Beregnungsanlage zusammen zu stellen. Von Durchführungen mit und ohne Gewinde, Reduzierverbinder, Y- und T-Verbinder, verschiedenste Schläuche bis hin zu Verteilerblöcken mit der Option verschiedenste Anschlüsse zu montieren lässt sich alles finden. Besonders die Hersteller Festo und IQS sind hier zu nennen, die ein breites Spektrum an Verbindern liefern und dies in sehr guter Qualität.

Beregnungsdüsen

Eine immer wieder aufflammende Diskussion ist die Wahl der richtigen Beregnungsdüsen und deren Bauform. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich Ihnen versichern, dass Sie mit den blauen Tefen Düsen im ersten Moment nichts falsch machen und diese für fast alle Situationen ausreichen. Tefen bietet eine Reihe verschiedener Düsen mit Sprühwinkeln von 80-180° an, sowie verschiedenen Durchflussmengen und wahlweise als „Non-Drop“ Variante. In Bereichen, in denen ich mehr Wasser wünsche oder einen etwas stärkeren Wasserstrahl benötige um z.B. von Ranken überwucherte Rückwände zu befeuchten nutze ich stellenweise Nebeldüsen und Kleinflächendüsen aus der Gardena Micro-Drip-System Produktpalette. Es ist natürlich auch möglich, sich eine komplette Beregnungsanlage rein aus Gardenaprodukten zusammen zu stellen. Jedoch ist der Wassereintrag sehr hoch, weshalb dies nur für wirklich große Terrarien oder Gewächshäuser in Frage kommt. Allerdings nutze ich Gardena Nebeldüsen auch gerne dort, wo durch HID Beleuchtung sehr viel Wasser verdunstet oder großflächig etwas mehr Wasser verteilt werden muss um durch die Bepflanzung zu dringen.

  • Typische Bauform mit blauen Tefen-Düsen und zusätzlichen Dichtringen.

  • Selbstbau einer Beregnungsdüse mit Gardena Nebeldüse.

Das Wasser

Wasser für Beregnungsanlagen sollte so mineralarm wie möglich sein, zudem unbelastet von Schadstoffen und Keimen. Eine Möglichkeit solches Wasser zu generieren sind sogenannte Umkehrosmoseanlagen, welche über Feinfilter, Aktivkohlefilter und Umkehrosmosefilter ein ideales Wasser für Beregnungsanlagen bereitstellen.  Das Wasser wird in meinem Fall in einem 35 Liter fassenden, Lichtundurchlässigen Tank gelagert und hält ca. eine Woche. Wasser, das länger steht sollte getauscht werden. Auch hier gibt es viele Anbieter im Internet, die passende Lösungen für jeden Geldbeutel bereitstellen. Günstige Umkehrosmoseanlagen  gibt es bereits ab 25€. Fairerweise muss hier aber dazu gesagt werden, dass die Effizienz dieser günstigen Anlagen oft zu wünschen übrig lässt und ein Verhältnis von 10:1 Abwasser zu Nutzwasser die Regel sein kann, vor allem in Gegenden mit sehr mineralreichem Leitungswasser.

Wartung und Pflege

Eine Beregnungsanlage ist ein recht langlebiges und wartungsarmes System, wenn Sie auf mineralarmes Wasser achten. Die zeitintensivste Pflege und Wartung besteht aus Wasser nachfüllen. Seltener aus nachjustieren, defekte Bauteile tauschen - was selten vorkommt – und Reinigen. Je nach benötigter Wassermenge muss auch von Zeit zu Zeit die Filtermembran der Umkehrosmoseanlage getauscht werden. Der häufigste Grund, warum ins System eingegriffen werden muss, ist, dass die Tefen-Düsen nach einer gewissen Zeit zum Verstopfen neigen. Feinste Partikel, die noch im Wasser gelöst sind und oxidierte Messingpartikel aus den Kreiselpumpen setzen die Düsen nach einigen Monaten zu. Um dem entgegen zu wirken, betreibe ich alle Tefen-Düsen mit kleinen Filtern. Die Laufzeit einer solchen Düse ist damit gewöhnlich für neun Monate garantiert ohne dass das Sprühbild unstimmig wird. Zudem bestünde die Möglichkeit, die Düsen mittels etwas Gewalt auseinander zu bauen um sie zu reinigen. Ich persönlich sehe davon ab, sollten Sie Interesse daran haben, so folgen Sie bitte der Anleitung von Thomas Schäffer auf Froschkeller.de

Beregnungszeiten und Intervalle

Ich kann Ihnen kein Patentrezept nennen, wie lange Sie Ihre Terrarien beregnen sollen oder in welchen Abständen die Intervalle stattfinden sollten. Dies hängt auch maßgeblich von Ihren Tieren und den Gegebenheiten im Terrarium ab. Die richtige Beregnungszeit und Wiederholung lässt sich nur durch ausprobieren sicher bestimmen. Ich beregne für gewöhnlich drei Mal am Tag die Terrarien für etwa 25-30 Sekunden um eine gewissen Grund- und Luftfeuchtigkeit zu halten. Im Sommer während der Paarungszeit kommen an ein bis zwei Tagen die Woche ersatzweise eine etwas längere, bis zu einer Minute dauernde Beregnungsphasen hinzu, um einen richtigen Regen zu simulieren. Zu jeder festen Beregnungszeit läuft in der Steuerung auch jedes Mal ein zufällig generierter Countdown ab, der die Beregnung nicht jeden Tag zur selben Zeit, sondern in einem Zeitfenster von zwei Stunden stattfinden lässt. So kommt für die Tiere keine Routine auf, die Luftfeuchtigkeit ist etwas variabler und der simulierte „richtige“ Regen scheint sich positiv auf das Paarungsverhalten der Frösche aus zu wirken.